Der Existentialismus ist ein Humanismus: Keine Ausreden?

Ein Mensch soll entscheiden, obwohl ihm niemand die richtige Entscheidung garantieren kann. Von dieser Zumutung handelt Der Existentialismus ist ein Humanismus, der philosophische Vortrag von Jean-Paul Sartre, der 1945 in Paris gehalten und 1946 als Buch veröffentlicht wurde. Der Text ist eine öffentliche Verteidigung des Existentialismus und zugleich eine zugängliche Einführung in einige seiner Grundgedanken. Freiheit bedeutet hier eine Aufgabe. Sie verspricht weder beliebige Möglichkeiten noch ein müheloses Leben.

Die Gegner werfen dieser Philosophie vor, sie mache Menschen untätig, vereinzelt oder moralisch gleichgültig. Der Vortrag versucht zu zeigen, weshalb gerade das Gegenteil folgen soll. Wenn keine vorgegebene Bestimmung unsere Entscheidungen vollständig festlegt, gewinnen diese Entscheidungen Gewicht. Der Existentialismus ist ein Humanismus setzt deshalb beim Menschen als einem Wesen an, das sich durch sein Leben erst bestimmt. Eine ursprüngliche Gebrauchsanweisung steht ihm nicht zur Verfügung.

Das berühmte Beispiel des Brieföffners macht den Unterschied anschaulich. Ein hergestelltes Werkzeug wird nach einem bereits vorhandenen Begriff und für einen Zweck gefertigt. Für den Menschen soll dieses Modell im atheistischen Existentialismus nicht gelten. Er ist kein Produkt, dessen angemessene Verwendung vor seiner Geburt feststeht. Als literarischer Gegenentwurf lässt sich Schöne neue Welt von Aldous Huxley lesen: Dort legt eine gesellschaftliche Ordnung möglichst früh fest, welche Funktion ihre Mitglieder erfüllen sollen und welche Wünsche zu ihnen passen.

Damit beginnt allerdings erst die schwierige Seite des Arguments. Aus fehlender Vorbestimmung folgt noch keine ausgearbeitete Antwort auf die Frage, welche Wahl gerecht ist. Der Existentialismus ist ein Humanismus muss den Weg von individueller Entscheidung zu Verantwortung für andere eigens begründen. Seine Kürze macht diesen Versuch gut zugänglich, aber auch angreifbar. Gerade die Lücken zwischen den eingängigen Sätzen sind lesenswert, weil sich dort entscheidet, ob man nur einer starken Rede folgt oder ihren Schlussfolgerungen tatsächlich zustimmt.

Der Existenzialismus ist ein Humanismus

Warum die Entscheidung nicht beim eigenen Ich endet

Wer sich für eine Handlung entscheidet, zeigt damit zugleich, welche Möglichkeit er für lebbar oder erstrebenswert hält. Der Vortrag erweitert die individuelle Wahl deshalb zu einer Aussage darüber, wie ein Mensch handeln kann und soll. Das bedeutet nicht, dass jede private Entscheidung die gesamte Menschheit unmittelbar steuert. Gemeint ist ihr Anspruch auf einen Wert, der sich nicht völlig auf eine persönliche Laune zurückziehen lässt.

Der Existentialismus ist ein Humanismus verbindet diese Verantwortung mit Angst. Das Wort bezeichnet hier das Bewusstsein, ohne letzte Absicherung entscheiden zu müssen und dabei andere zu betreffen. Ein verantwortlicher Entschluss wird dadurch weder automatisch falsch noch unmöglich. Unsicherheit hebt Verantwortung nicht auf. Der Vortrag richtet sich gegen die Entlastung, die aus einer Rolle, einem Befehl oder einer angeblich unveränderlichen menschlichen Natur gewonnen werden soll.

Der Begriff der Verlassenheit betrifft wiederum die fehlende Garantie durch eine göttlich festgelegte Wertordnung. Selbst wer ein Zeichen oder einen Ratschlag erhält, muss noch entscheiden, wie er ihn deutet und wem er vertraut. Die sogenannte Verzweiflung fordert schließlich, das eigene Handeln nicht auf einen sicheren Ausgang der Geschichte zu gründen. Der Existentialismus ist ein Humanismus verwendet diese drei Begriffe also genauer, als ihre alltäglichen Bedeutungen vermuten lassen. Sie bezeichnen unterschiedliche Seiten eines ungesicherten Handelns.

Eine erzählerische Zuspitzung verwandter Probleme bietet Das Blut der anderen von Simone de Beauvoir. Dort erhält die Frage nach Verantwortung ihr Gewicht durch politische Entscheidungen, Beziehungen und die Gefährdung anderer Menschen. Der Vergleich zeigt zugleich, was dem Vortrag aufgrund seiner Form fehlt: die längere Erfahrung widersprüchlicher Folgen.

Der Existentialismus ist ein Humanismus formuliert einen Anspruch, während ein Roman zeigen kann, wie schwer es ist, ihn in einer konkreten Situation einzulösen. Die philosophische Stärke liegt hier im Ausschluss bequemer Ausreden; die offene Frage bleibt, wie unterschiedliche Verantwortlichkeiten gegeneinander abzuwägen sind.

Illustration Der Existenzialismus ist ein Humanismus: Eine einsame Gestalt sitzt an einem Cafétisch, liest neben einer dampfenden Tasse und ist von kargen, geometrischen Gebäuden entlang einer leeren Straße umgeben.

Mutter oder Widerstand: Ein Beispiel ohne Musterlösung

Ein junger Mann steht während des Krieges vor einer Entscheidung. Er kann bei seiner auf ihn angewiesenen Mutter bleiben oder versuchen, sich den Freien Französischen Streitkräften anzuschließen. Beide Möglichkeiten haben einen moralischen Anspruch. Die Hilfe für die Mutter ist unmittelbar, die politische Tätigkeit richtet sich auf eine größere Gemeinschaft, besitzt aber ungewisse praktische Folgen. Das Beispiel zwingt dazu, zwischen konkurrierenden Verpflichtungen zu wählen.

Der Existentialismus ist ein Humanismus behandelt diesen Konflikt nicht als Rätsel mit versteckter Musterlösung. Eine allgemeine Aufforderung zur Nächstenliebe entscheidet noch nicht, wem hier zuerst geholfen werden muss. Auch das Gefühl liefert keine unabhängige Messung, wenn seine Stärke gerade durch die spätere Handlung sichtbar wird. Selbst die Auswahl eines Ratgebers enthält bereits eine Entscheidung, weil unterschiedliche Menschen unterschiedliche Antworten geben würden.

Beratung kann die Wahl unterstützen, nicht übernehmen. Daraus folgt allerdings kein Verbot, Gründe zu sammeln, Folgen abzuschätzen oder andere Personen anzuhören. Der Text verliert an Genauigkeit, wenn man ihn als Aufforderung zu beliebigem Handeln liest. Sein Beispiel zeigt vielmehr, dass auch sorgfältig durchdachte Gründe einen letzten Schritt des Handelnden offenlassen können. Der Existentialismus ist ein Humanismus lässt den jungen Mann mit dieser Aufgabe zurück, ohne seine Entscheidung stellvertretend zu erzählen.

Eine andere Zuspitzung des Verhältnisses zwischen Norm und Einzelperson findet sich in Corpus Delicti von Juli Zeh. Dort beansprucht ein System, aus verbindlichen Maßstäben die richtige Lebensführung ableiten zu können. Der Vortrag bestreitet gerade die vollständige Übertragbarkeit eines Schemas auf den konkreten Menschen. Zugleich sollte seine Lösung kritisch geprüft werden: Gesellschaftlicher Zwang und ungleich verteilte Handlungsmöglichkeiten verschwinden nicht, weil jemand wählen muss.

Das Buch überzeugt besonders als Kritik an der vollständigen Delegation von Verantwortung. Eine umfassende Theorie gerechter Lebensbedingungen bietet dieses kurze Beispiel noch nicht.

Schreibstil: Eine öffentliche Rede mit scharfen Kanten

Der Text spricht zu Menschen, die bereits Vorurteile über den Existentialismus besitzen. Deshalb beginnt er mit Einwänden, grenzt Begriffe ab und führt anschließend leicht erinnerbare Beispiele ein. Der Existentialismus ist ein Humanismus bewegt sich zwischen philosophischer Begründung und öffentlicher Überzeugungsarbeit. Seine Verständlichkeit ist eine bewusste Leistung, verlangt aber Aufmerksamkeit dafür, wann ein Beispiel tatsächlich etwas beweist und wann es zunächst nur einleuchtet.

Die kurzen Formeln sind besonders wirksam. Sie fassen einen Gedankengang so zusammen, dass man ihn behalten und weiterdiskutieren kann. Gleichzeitig begünstigen sie Verkürzungen, sobald der vorausgehende Zusammenhang entfällt. Ein einprägsamer Satz ist noch kein Beweis. Die Vorstellung umfassender Verantwortung etwa wirft Fragen auf, die nicht allein durch eine entschlossene Formulierung beantwortet werden. Warum genau soll eine individuelle Wahl einen Anspruch für alle enthalten, und wie weit reicht dieser Anspruch?

Der mündliche Ursprung zeigt sich auch im Wechsel zwischen Erklärung, Gegenfrage und Einwand. Der Sprecher nimmt erwartete Reaktionen vorweg und führt sein Publikum durch eine Auseinandersetzung, deren Richtung er selbst bestimmt. Das unterscheidet die Lektüre von einem offenen Gespräch, in dem jeder Widerspruch gleich viel Raum erhält. Der Existentialismus ist ein Humanismus sollte deshalb als engagierte Position gelesen werden, nicht als neutraler Überblick über sämtliche Spielarten einer philosophischen Bewegung.

Seine Nähe zur französischen Literatur liegt auch darin, dass Personen und Situationen gedankliche Arbeit leisten. Ein junger Mann, eine Mutter und ein möglicher Aufbruch machen Verantwortung anschaulicher als eine abstrakte Aufzählung. Die Stärke dieses Verfahrens liegt in seiner Zugänglichkeit. Seine Grenze zeigt sich dort, wo soziale Voraussetzungen nur als Hintergrund auftreten. Gute Lektüre bewahrt beides: die Klarheit des Beispiels und die Fragen, die seine überschaubare Form zunächst ausspart, ohne sie damit schon erledigt zu haben.

Zitat aus Der Existentialismus ist ein Humanismus von Jean-Paul Sartre

Zitate aus Der Existentialismus ist ein Humanismus

Diese kurzen Ausschnitte werden nach der englischen Übersetzung von Philip Mairet in eigenen deutschen Übertragungen wiedergegeben. Sie beanspruchen nicht den Wortlaut einer deutschen Buchausgabe. Die knappen Formeln aus Der Existentialismus ist ein Humanismus sollten zusammen mit ihren argumentativen Voraussetzungen gelesen werden, denn isoliert können sie leicht wie Selbsthilfesprüche wirken. Textgrundlage: Übersetzung von Philip Mairet.

  1. „Die Existenz geht dem Wesen voraus.“ Die Formel richtet sich gegen ein bereits fertig bestimmtes Menschenbild. Gemeint ist keine beliebige Veränderbarkeit sämtlicher Lebensumstände. Der Mensch soll sich durch sein gelebtes Verhältnis zur Welt bestimmen, statt lediglich eine vorgegebene Aufgabe abzuwickeln.
  2. „Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt.“ Die Formulierung verbindet Möglichkeit und Unausweichlichkeit. Auch das Vermeiden einer Entscheidung kann Folgen haben, für die sich der Handelnde nicht vollständig unsichtbar machen kann. Die Zumutung steckt im fehlenden Ausweg. Freiheit erscheint dadurch weder als Besitz noch als angenehmer innerer Zustand.
  3. „Der Mensch ist Angst.“ Das zugespitzte Wort bezeichnet hier die Last einer Entscheidung mit Verantwortung. Es stellt keine medizinische Diagnose über alle Menschen auf. Der Zusammenhang erklärt vielmehr, weshalb ernsthaftes Handeln mit Unsicherheit vereinbar sein muss und nicht erst nach deren vollständigem Verschwinden beginnen kann.
  4. „Sie sind frei“. Der Ausschnitt gehört zur Antwort auf den hilfesuchenden jungen Mann. Er beendet die Hoffnung auf eine stellvertretend gelieferte Lösung, entscheidet aber nicht zwischen den beiden Möglichkeiten. Der Rat lässt die konkrete Verantwortung deshalb bei der Person, die handeln muss.
  5. „ohne Ausrede“. Diese Wendung bezeichnet die verweigerte Entlastung durch eine fertige Bestimmung des Menschen. Sie darf nicht dazu dienen, tatsächliche Gewalt oder fehlende Handlungsmacht zu leugnen. Gerade die Härte der Formulierung macht eine kritische Lektüre nötig, die zwischen Verantwortung, Einflussmöglichkeiten und nachträglicher Selbstrechtfertigung unterscheidet.

Hintergründe zu Vortrag und Buch

  1. Zwei Daten, zwei Ereignisse: Der Vortrag gehört ins Jahr 1945, seine Veröffentlichung als Buch ins Jahr 1946. Diese Unterscheidung korrigiert eine verbreitete Verkürzung. Der Existentialismus ist ein Humanismus entsteht damit aus einer konkreten öffentlichen Auseinandersetzung unmittelbar nach dem Krieg und gelangt erst anschließend als gedruckter Text zu einem weiteren Publikum. 🌐 Stanford Encyclopedia
  2. Paris ist mehr als eine Kulisse. Die öffentliche Veranstaltung gehört zur Geschichte von Paris als literarischem Ort. Philosophie wird hier als Ansprache an ein interessiertes und streitbares Publikum sichtbar, weshalb die rhetorische Zugänglichkeit des Textes ebenso zu seiner Entstehung gehört wie die gedanklichen Voraussetzungen seiner Argumentation.
  3. Ein Brieföffner eröffnet die Grundfrage. Der Vortrag verwendet dieses hergestellte Werkzeug, um das Verhältnis von vorgedachter Bestimmung und tatsächlichem Vorhandensein zu erklären. Der unscheinbare Gegenstand macht ein schwieriges Problem zugänglich, doch gerade seine Einfachheit lädt dazu ein, anschließend nach den Grenzen des Vergleichs zwischen einem Werkzeug und einem Menschen zu fragen.
  4. Es treten mehrere Gegner auf. Kommunistische und christliche Einwände bilden bereits am Anfang den Anlass der Verteidigung. Wer diese Gesprächslage überliest, kann einzelne Zuspitzungen leicht für eine vollständige Darstellung halten, obwohl der Text gezielt auf bestimmte Vorwürfe antwortet und andere Teile der Philosophie nur knapp oder gar nicht behandelt.
  5. Auch Literatur dient als Denkpartner. Der Vortrag diskutiert Entscheidungen anhand konkreter Fälle statt ausschließlich durch Definitionen. Einen ergänzenden Vergleich ermöglicht Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, wo eigenständiges Urteilen unter gesellschaftlichem Druck erlernt werden muss; diese Verbindung ist eine redaktionelle Gegenüberstellung, kein behaupteter Einfluss des Romans auf den zeitlich früheren Vortrag.

Warum Freiheit auch Widerspruch verlangt

Der Existentialismus ist ein Humanismus lohnt sich als Prüfung der eigenen Ausreden. Menschen verweisen auf Temperament, berufliche Rollen oder Erwartungen anderer, wenn sie eine Handlung erklären. Solche Hinweise können berechtigt sein, beantworten aber nicht automatisch die Frage nach dem eigenen Anteil. Der Text fordert dazu auf, diese beiden Ebenen auseinanderzuhalten. Eine Erklärung von Umständen ist noch keine vollständige Entlastung von jeder Entscheidung.

Seine Forderung muss allerdings auch gegen eine ungerechte Anwendung verteidigt werden. Wer unter Zwang handelt oder kaum Zugang zu materiellen Ressourcen besitzt, verfügt nicht über dieselben Möglichkeiten wie eine abgesicherte Person. Der Satz von der Freiheit ersetzt deshalb keine Untersuchung von Abhängigkeit und Macht. Verantwortung braucht einen Blick auf die Situation. Eine Lektüre, die jedem Menschen jedes Ergebnis seines Lebens gleichermaßen zurechnet, würde aus dem Vortrag eine grobe Schuldzuweisung machen.

Hier kann Billard um halb zehn von Heinrich Böll die Diskussion erweitern. Der Roman zeigt, wie vergangene Entscheidungen, gesellschaftliche Zugehörigkeit und wiederkehrende Machtverhältnisse in Familien hineinwirken. Er macht die zeitliche Tiefe sichtbar, die einem kurzen Vortrag fehlen muss. Der Existentialismus ist ein Humanismus fragt nach dem verantwortlichen Entschluss; erzählte Geschichte fragt zusätzlich, wie dessen Bedingungen entstehen und an andere weitergegeben werden. Der Vergleich hält individuelle und gesellschaftliche Perspektive zugleich offen.

Das Buch eignet sich deshalb besonders für Leser, die eine philosophische Position nicht nur kennenlernen, sondern an ihren stärksten Behauptungen prüfen möchten. Man muss dem gesamten Argument nicht zustimmen, um seinen Widerstand gegen bequeme Selbstentlastung ernst zu nehmen. Ebenso wenig sollte man die soziale Kritik beiseiteschieben, nur weil eine Formel beeindruckt.

Der Existentialismus ist ein Humanismus gewinnt durch diese doppelte Aufmerksamkeit: Er verlangt eine eigene Haltung, und er bietet zugleich einen Text, an dem sich verantwortliches Widersprechen üben lässt. Seine Offenheit liegt weniger in unklaren Worten als in den Konsequenzen seiner klarsten Sätze.

Zusammenfassung: Der Existentialismus ist ein Humanismus

Der Vortrag verteidigt existenzielle Ideen gegen Vorwürfe moralischer Beliebigkeit, Vereinzelung und Untätigkeit. Sein Ausgangspunkt ist die Annahme, dass der Mensch keine vorab festgelegte Bestimmung besitzt, die sein Leben vollständig erklärt. Er entwickelt sich durch seine Entscheidungen und Handlungen. Der Existentialismus ist ein Humanismus leitet daraus eine weitreichende Verantwortung ab, die nicht allein die eigene Person, sondern auch das darin bejahte Bild menschlicher Lebensführung betrifft.

Angst bezeichnet das Bewusstsein dieser Verantwortung. Verlassenheit meint die fehlende Absicherung durch vorgegebene, übermenschliche Werte. Verzweiflung bedeutet im besonderen Sprachgebrauch des Vortrags, den Erfolg des eigenen Handelns nicht durch eine garantierte Zukunft zu ersetzen. Die drei Begriffe sollen Handeln ermöglichen, das seine Unsicherheit kennt, statt aus Unsicherheit auf jede Tätigkeit zu verzichten. Sie sind deshalb nicht einfach Beschreibungen einer düsteren Stimmung.

Das Beispiel des jungen Mannes zeigt, warum allgemeine Regeln einen konkreten Konflikt nicht immer eindeutig entscheiden. Zwischen der Hilfe für die Mutter und dem Eintritt in den Widerstand stehen unterschiedliche Verpflichtungen. Auch Gefühle, Zeichen und Ratgeber müssen gedeutet oder ausgewählt werden. Die Entscheidung lässt sich dadurch unterstützen, aber nicht vollständig auslagern. Der Existentialismus ist ein Humanismus betont die verbleibende Aufgabe des Einzelnen und verweigert eine stellvertretende Lösung des vorgestellten Falls.

Am Ende wird Humanismus als eine menschliche Selbstüberschreitung zu Aufgaben und Zielen verstanden, nicht als Selbstbewunderung einer angeblich vollendeten Gattung. Dabei gehört zur eigenen Freiheit die Anerkennung anderer Menschen als ebenfalls freie Handelnde. Das Selbst entsteht im Verhältnis zur Welt.

Der Text verbindet diesen Anspruch mit einer entschiedenen Absage an bequeme Entschuldigungen, lässt aber Fragen nach ungleichen Möglichkeiten und der Begründung gemeinsamer Werte offen. Seine Wirkung entsteht aus einer Verbindung von zugänglichen Beispielen, zugespitzten Formeln und einem Verantwortungsbegriff, der gerade wegen seiner Härte sorgfältige Diskussion verdient.

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