William Goldings gewaltige Erzählung über Ehrgeiz und Abstieg – Die Enträtselung von „Der Turm der Kathedrale“

William Golding, der für seinen Klassiker „Herr der Fliegen“ bekannt ist, wagt sich mit „Der Turm der Kathedrale“ in das Reich der Gothic Fiction. Diese gespenstische Geschichte spielt in einer mittelalterlichen Kathedrale und erforscht die psychologische und spirituelle Entwicklung des ehrgeizigen Dekans Jocelin. Goldings Prosa, die sowohl beschwörend als auch beunruhigend ist, baut eine Erzählung auf, die die Grenzen des menschlichen Strebens und die Folgen unkontrollierten Ehrgeizes auslotet.

Überblick über den Plot: „Der Turm der Kathedrale“

„Der Turm der Kathedrale“ spielt in der fiktiven Stadt Kingsbridge im 14. Jahrhundert und dreht sich um das ehrgeizige Vorhaben, einen gewaltigen Turm auf der Spitze der Kathedrale zu errichten. Dekan Jocelin, getrieben von einer göttlichen Vision, ist entschlossen, die Grenzen irdischer Strukturen zu überschreiten und einen Turm zu bauen, der bis in den Himmel reicht.

Als der Bau beginnt, wird Jocelins Vision zu einer Obsession, die ihn für die physischen, finanziellen und menschlichen Kosten seines ehrgeizigen Projekts blind macht. Der Roman erforscht den psychologischen Tribut, den Jocelin und die Menschen in seinem Umfeld zahlen müssen, während der Bau des Turms die Grenzen des Glaubens, der Moral und des Verstandes austestet.

Zitat aus Der Turm der Kathedrale von William Golding

Charakterisierung:

Im Mittelpunkt von „Der Turm der Kathedrale“ steht Dekan Jocelin, eine komplexe Figur, deren Abstieg in die Besessenheit zu einem Mikrokosmos für die Erforschung der menschlichen Natur im weiteren Sinne wird. Jocelins unerschütterliche Überzeugung von seiner göttlichen Berufung, gepaart mit seiner Missachtung der Belange anderer, bildet die Grundlage für eine tragische Geschichte der spirituellen und psychologischen Entfesselung.

Die Nebenfiguren, darunter der Baumeister Roger Mason, die rätselhafte Rachel und der skeptische Subdekan Pangall, verleihen der Erzählung zusätzliche Tiefe. Jede Figur repräsentiert verschiedene Facetten des menschlichen Daseins und trägt dazu bei, dass sich der Roman mit den Themen Glaube, Zweifel und den Folgen von unkontrolliertem Ehrgeiz auseinandersetzt.

Die Themen: „Der Turm der Kathedrale“

„Der Turm der Kathedrale“ befasst sich mit tiefgreifenden Themen, die sich durch die gesamte Erzählung ziehen. Der Roman erforscht das Zusammenspiel von Glaube und Wahnsinn und hinterfragt die Grenzen religiöser Inbrunst und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Geistes. Golding untersucht die Auswirkungen des Ehrgeizes auf den Einzelnen und die Gemeinschaft und stellt die Turmspitze als physische und metaphorische Manifestation des menschlichen Strebens nach dem Göttlichen dar.

Das Thema des sexuellen Verlangens und der Unterdrückung zieht sich ebenfalls durch die Erzählung und verleiht Jocelins Charakter eine zusätzliche Ebene der Komplexität. Golding verwendet die Turmspitze als Symbol für Jocelins innere Zerrissenheit und erforscht die Spannung zwischen irdischen Wünschen und spirituellen Bestrebungen.

Gothic-Atmosphäre:

Golding schafft in „Der Turm der Kathedrale“ meisterhaft eine gotische Atmosphäre, indem er die Kathedrale als düstere und ahnungsvolle Kulisse verwendet. Die bröckelnden Steine, die hallenden Hallen und die labyrinthischen Gänge werden zu einem festen Bestandteil der Erzählung und spiegeln das psychologische Labyrinth wider, in dem Jocelin gefangen ist.

Der Autor verwendet lebendige und manchmal groteske Bilder, um ein Gefühl des Unbehagens und der Vorahnung hervorzurufen. Die Kathedrale, einst ein Symbol göttlicher Verehrung, wird zu einer gespenstischen Präsenz, die den schwindenden Verstand ihres Dekans und den moralischen Verfall in ihren Mauern widerspiegelt.

Sprache und Stil:

Goldings Sprache in „Der Turm der Kathedrale“ ist sowohl poetisch als auch beunruhigend. Seine Prosa ist zwar reich an beschreibenden Details, hat aber auch Momente beunruhigender Einfachheit. Die Fähigkeit des Autors, durch die Sprache ein Gefühl des Unbehagens hervorzurufen, trägt zur gotischen Atmosphäre bei und zieht den Leser in die psychologischen Tiefen der Figuren.

Die bruchstückhafte Erzählung des Romans, die von Perspektiv- und Zeitwechseln geprägt ist, trägt zu dieser verwirrenden Erfahrung bei. Goldings Stil lädt den Leser ein, sich im Labyrinth von Jocelins Gedanken zurechtzufinden und spiegelt den Abstieg der Protagonistin in die Besessenheit wider.

Psychologische Erkundung:

Im Kern ist „Der Turm der Kathedrale“ die psychologische Erforschung eines Mannes, der am Rande der Besessenheit und des Wahnsinns schwankt. Golding dringt in Jocelins Geist ein und enträtselt die Schichten seiner Gedanken, Ängste und Sehnsüchte. Die Turmspitze wird zu einer Metapher für Jocelins sich auflösende Psyche, eine hoch aufragende Manifestation seiner Ambitionen und inneren Konflikte.

Der Leser wird Zeuge der allmählichen Erosion von Jocelins Verstand, während seine Besessenheit von der Turmspitze immer stärker wird. Der Roman wird zu einer Reise in die dunkelsten Ecken des menschlichen Geistes, wo sich Glaube und Wahn verflechten und das Streben nach göttlicher Transzendenz zu einem Abstieg in den Wahnsinn wird.

Illustration Der Turm der Kathedrale von William Golding

Allegorie und Symbolik:

„Der Turm der Kathedrale“ ist voll von allegorischen Elementen und Symbolik. Der Turm selbst dient als vielschichtiges Symbol, das sowohl das göttliche Streben als auch die Fallstricke des menschlichen Ehrgeizes darstellt. Golding nutzt die physische Struktur als Leinwand für die Erkundung von Themen wie Transzendenz, moralischer Verfall und die Folgen eines unerbittlichen Strebens.

Die bröckelnden Steine der Kathedrale, die geheimnisvolle Figur der Rachel und das wiederkehrende Motiv des Aufstiegs und Abstiegs tragen zur allegorischen Tiefe des Romans bei. Golding lädt die Leser dazu ein, die symbolischen Schichten zu entschlüsseln und fügt den visuellen und psychologischen Aspekten der Erzählung eine intellektuelle Dimension hinzu.

Famous Quotes from „Der Turm der Kathedrale“ by William Golding

  1. „Er hatte den Schrecken im Traum gekannt, aber es war der Schrecken des Gipfels, wo der Wind pfiff.“
    • Interpretation: Dieses Zitat spiegelt die innere Angst des Protagonisten Jocelin und die überwältigende Herausforderung wider, der er sich mit dem Bau des Turms stellen muss. Der „Schrecken des Gipfels“ symbolisiert die gewaltige Aufgabe und die existenzielle Furcht, ein Ziel zu erreichen, das unmöglich erscheint.
  2. „Es gibt kein Muster für diesen Schmerz, und er hat keine Grenzen.“
    • Auslegung: Dieses Zitat unterstreicht die chaotische und grenzenlose Natur des menschlichen Leidens. Es kann als Jocelins Anerkennung des physischen und emotionalen Tributs gesehen werden, den sein Ehrgeiz für die Turmspitze für ihn selbst und andere bedeutet.
  3. „Die Kirche war wie ein Schiff, in dem er bis zum Ende der Welt getragen wurde“.
    • Auslegung: Hier wird die Kirche metaphorisch mit einem Schiff verglichen, was auf eine Reise hinweist, die sowohl spirituell als auch isolierend ist. Jocelins Engagement für den Kirchturm wird mit einer Reise zu einem unbekannten und möglicherweise gefährlichen Ziel verglichen, was seine Isolation und Hingabe unterstreicht.
  4. „Wahnsinn und Vernunft reichten sich die Hände und tanzten um das Bett.“
    • Interpretation: Dieses Zitat verdeutlicht den schmalen Grat zwischen Vernunft und Wahnsinn in Jocelins Kopf. Seine Besessenheit von der Turmspitze lässt die Grenzen zwischen rationalem Denken und Wahnsinn verschwimmen, was darauf hindeutet, dass sein visionärer Antrieb sowohl seine Stärke als auch sein Verhängnis sein kann.
  5. „Man kann kein Pech anfassen, ohne verunreinigt zu werden.“
    • Auslegung: Dieses Sprichwort besagt, dass die Beschäftigung mit etwas Verdorbenem oder Sündhaftem unweigerlich zum eigenen moralischen Kompromiss führen wird. Im Kontext des Romans könnte es Jocelins Einsicht widerspiegeln, dass seine hochfliegenden Ambitionen ihn zu moralisch fragwürdigen Handlungen verleitet haben könnten.
  6. „Sie alle sahen ihn jetzt als den Mann, dessen Geist gebrochen war.“
    • Interpretation: Dies spiegelt die Veränderung in der Wahrnehmung Jocelins durch andere wider, während sein Kampf mit der Spitze voranschreitet. Der ehrgeizige und zielstrebige Mann wird nun als jemand gesehen, der an seinen eigenen Träumen zerbrochen ist, was die Thematik des Ehrgeizes und seiner potenziell zerstörerischen Folgen im Roman unterstreicht.
  7. „Er wollte in seinem Stolz aufrecht stehen, und hier war er, verkrüppelt durch seine eigene Vision.“
    • Auslegung: Jocelins Wunsch nach Stolz und Ruhm wird mit der Realität seiner Situation kontrastiert. Sein Ehrgeiz für die Turmspitze, der ihn erheben sollte, hat ihn stattdessen körperlich und geistig verkrüppelt, was das Paradoxon des menschlichen Ehrgeizes offenbart.
  8. „Ihm blieb nichts als die einsame Majestät seiner Torheit.“
    • Interpretation: Dieses Zitat bringt die tragische Größe von Jocelins Suche auf den Punkt. Trotz des Scheiterns und des verursachten Leids liegt eine gewisse Erhabenheit in seinem unermüdlichen Streben, auch wenn es letztendlich als Torheit angesehen wird.

Trivia-Fakten über „Der Turm der Kathedrale“

  1. Inspiration durch die Kathedrale von Salisbury: William Golding wurde zu „Der Turm der Kathedrale“ inspiriert, nachdem er die Kathedrale von Salisbury in England besucht hatte, deren Turm mit 404 Fuß der höchste im Vereinigten Königreich ist.
  2. Erscheinungsjahr: „Der Turm der Kathedrale“ wurde 1964 veröffentlicht, zu einer Zeit, als Golding bereits ein etablierter Autor war, bekannt durch sein früheres Werk „Herr der Fliegen“.
  3. Historisches Setting: Der Roman ist im 14. Jahrhundert angesiedelt und spiegelt die architektonischen und geistigen Ambitionen des Mittelalters wider.
  4. Religiöse Themen: Golding, der sich sehr für Theologie und die menschliche Natur interessierte, hat den Roman mit komplexen religiösen und philosophischen Themen durchsetzt, in denen es um Glauben, Sünde und Erlösung geht.
  5. Charakter von Jocelin: Man nimmt an, dass die Hauptfigur, Dekan Jocelin, lose auf historischen Persönlichkeiten wie Bischof Richard Poore basiert, der den Bau der Kathedrale von Salisbury überwachte, obwohl Goldings Charakter eine fiktive Schöpfung mit seinen eigenen einzigartigen Eigenschaften und Fehlern ist.
  6. Kritische Rezeption: Bei seiner Veröffentlichung erhielt „Der Turm der Kathedrale“ gemischte Kritiken. Einige Kritiker lobten die tiefgründige Erforschung der menschlichen Natur und des Ehrgeizes, während andere das Werk als dicht und anspruchsvoll empfanden.
  7. Symbolik der Turmspitze: Die Turmspitze selbst ist ein starkes Symbol im Roman. Sie steht für das menschliche Streben und den Wunsch, das Göttliche zu erreichen, aber auch für die mögliche Hybris und Zerstörung, die mit solchen Ambitionen einhergehen kann.
  8. Goldings persönliche Verbindung: William Golding hatte eine persönliche Verbindung zum Schauplatz, da er in der Gegend um Salisbury aufgewachsen war. Seine Vertrautheit mit der Kathedrale und ihrer Umgebung verlieh den Beschreibungen des Romans zusätzliche Authentizität.
  9. Erzählstil: Der Roman ist bekannt für seinen intensiven, oft klaustrophobischen Erzählstil, der Jocelins obsessiven und zunehmend instabilen Geisteszustand widerspiegelt.
  10. Adaptionen: Obwohl „Der Turm der Kathedrale“ nicht in großem Umfang in anderen Medien adaptiert wurde, haben seine Themen und seine erzählerische Komplexität es zu einem Gegenstand wissenschaftlicher Studien und literarischer Analysen gemacht.
  11. Herausforderungen beim Bau: Der Roman beschreibt anschaulich die technischen und physischen Herausforderungen beim Bau einer mittelalterlichen Kathedrale und spiegelt Goldings akribische Recherchen über historische Baupraktiken wider.
  12. Goldings Auseinandersetzung mit dem Thema Führung: Anhand von Jocelins Charakter erforscht Golding die Bürde und die moralische Komplexität von Führung, besonders wenn sie von persönlichen Visionen und Ambitionen angetrieben wird.

Wirkung und Vermächtnis: „Der Turm der Kathedrale“

Das 1964 veröffentlichte Buch „Der Turm der Kathedrale“ wurde von der Kritik für seine Erforschung der menschlichen Psyche und seine gotische Sensibilität gelobt. Obwohl der Roman nicht so gefeiert wurde wie „Herr der Fliegen“, hat er sich einen Platz im Kanon der Gothic-Literatur verdient. Sein Einfluss auf spätere Werke des Genres, insbesondere auf solche, die sich mit psychologischem Horror und den Folgen unkontrollierten Ehrgeizes befassen, ist offensichtlich.

„Der Turm der Kathedrale“ wird nach wie vor in Literaturkursen studiert und wegen seiner komplexen Charaktere, seiner atmosphärischen Prosa und seiner Auseinandersetzung mit existenziellen Themen geschätzt. Goldings Fähigkeit, eine Erzählung zu verweben, die die Grenzen des Genres überschreitet und psychologische Tiefe mit gotischen Elementen verbindet, sorgt dafür, dass der Roman ein bleibendes Vermächtnis im Bereich der literarischen Fiktion darstellt.

William Goldings „Der Turm der Kathedrale“ ist ein Beweis für die Vielseitigkeit des Autors und seine meisterhafte Erzählkunst. Durch die Linse der Gothic Fiction erforscht der Roman die psychologische Enträtselung seines Protagonisten innerhalb der schattigen Grenzen einer mittelalterlichen Kathedrale. Goldings beschwörende Sprache, seine komplizierte Symbolik und die Erforschung tiefgreifender Themen machen „Der Turm der Kathedrale“ zu einer eindringlichen und zum Nachdenken anregenden Reise in die Komplexität menschlichen Ehrgeizes und Abstiegs.

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